Basel II


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Ein gutes Rating macht KMU stärker

Autor: Alessandro Maurer Senior Consultant/OBT AG

OBT St. Gallen

Das Kredit-Rating ( Bonitätsprüfung) soll in Erfahrung bringen, ob ein Unternehmen seine finanziellen Verpflichtungen termingerecht und vollständig erfüllen kann; es bestimmt die Kreditkonditionen. Jeder Unternehmer kann nun selber entscheiden, ob er sein Rating verbessern will. Ist sein Rating vergleichsweise schlecht, sollte er gezielt Schwachstellen seines Unternehmens bearbeiten. Mit einer unabhängigen Bewertung hat er es tatsächlich in der Hand, sein Rating und damit seine Kreditkonditionen zu verbessern.

Was steckt eigentlich hinter Basel II

Wofür steht die Bezeichnung Basel II? 1975 wurde von den Zentralbanken der „G10-Staaten“ bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich mit Sitz in Basel ein Ausschuss für die Bankenaufsicht gegründet. Dieser verabschiedete 1988 ein Regelwerk zur Sicherung ausreichender Stabilität im Bankengeschäft (Basel I). Inzwischen hat sich die Bankenwelt verändert, die Risiken sind grösser geworden. Deshalb entstand ein neues Regelwerk – der Basel II Akkord. Darin wir eine stärkere Orientierung der Eigenkapitalunterlegung von Krediten an der Bonität des Schuldners verlangt. Auch wenn Basel II erst ab 2006 in Kraft treten wird (die Banken brauchen aber eine dreijährige Zahlen-History), sollten Unternehmen die Zeit nutzen, um sich rechtzeitig auf Basel II und seine Konsequenzen vorzubereiten. Die Umsetzung der Basler Vorschläge in bankeninterne Rating-Systeme wird nämlich zu einer weiteren Spreizung der Kreditkonditionen führen. Dies bedeutet, dass Unternehmen mit hoher Bonität (gutem Rating) leichter, und zu besseren Konditionen Kredite aufnehmen können. Die Banken werden für Sie weniger Eigenkapital vorhalten müssen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sind die neuen Eigenkapitalrichtlinien und die damit verbundene Aufspreizung der Kreditzinsen zu begrüssen. Basel II erleichtert es soliden Unternehmen weiterhin erfolgreich zu sein.

Welche Konsequenzen hat Basel II?

Von den kreditsuchenden Firmen wird mehr Transparenz verlangt, sowohl bezüglich der aktuellen Situation, als auch bezüglich der voraussichtlichen Entwicklung des Unternehmens. Es geht u. a. um folgende Aspekte:

 

-         Qualitative Faktoren werden in den Bonitätsanalysen der Banken stärker gewichtet (Management-Qualität, aktuelle und korrekte Planungsrechnungen etc.)

-         Gefordert werden mehr Eigeninitiative und ein aktiveres Management der eigenen Bonität. Mit einer offensiven Unternehmenskommunikation bei gleichzeitiger Verbesserung der eigenen

       Bonitätsfaktoren können Unternehmen Ihre Finanzierungsbasis sichern.

-         Die traditionell enge Beziehung zur Hausbank wird loser werden. Banken (durch genauere Rating-Systeme) und Unternehmen (durch eine aktive Gestaltung der eigenen Finanzierungsstrukturen)

       werden ihre Beziehung „rationaler“ gestalten.

-         Ein dauerhaft schlechtes Rating wird dazu führen, dass Banken ihre Zusammenarbeit mit einem Unternehmen aufkündigen können.

-         Unternehmen die auf Fremdkapital angewiesen sind, tun gut daran, ihre Beziehungen zu Banken sorgfältig zu pflegen, um auch in Zukunft nicht in Finanzierungsengpässe zu geraten.

-         Ein gutes Rating schafft Vertrauen in die Bonität des Unternehmens; es stärkt die Position von Unternehmen in Verhandlungen mit Banken und Lieferanten.

-         Fachleute gehen davon aus, dass für KMU neue kreative Finanzierungsformen entstehen und als Alternative zum Bankkredit an Bedeutung gewinnen werden. Beispiel: Anleihen für Unternehmen,

       welche sich einem unabhängigen Rating unterzogen haben. 

 Schon heute fit machen!

Unternehmer sollten sich generell besser auf bankinterne Ratings vorbereiten. Es gilt aber auch, die künftig strengeren Anforderungen der Kapitalgeber und Investoren ernst zu nehmen und sich darauf einzustellen. Banken sind gehalten, eine vollständige Liquiditäts- und Finanzplanung einzufordern, um sich ein Bild von der künftigen finanziellen Situation machen zu können. Diese Finanzplanung dient dem Unternehmen zugleich als wichtiges betriebswirtschaftliches Führungsinstrument. Nur wenn der Unternehmer in der Lage ist, Banken und Investoren von positiven Zukunftsaussichten seines Betriebes zu überzeugen, kann er mit einer erleichterten Finanzierung und mit geringeren Kreditkosten rechnen. Klare Fakten schaffen Vertrauen und beeinflussen die Kreditbeziehung und das Kreditrating.

Warum brauchen Unternehmen ein bankenunabhängiges Unternehmens- Rating?

Ein ganzheitlich-dynamisches Unternehmens-Rating ist die passende Antwort auf die neuen Bewertungsmassstäbe. Ganzheitlich, weil diese Art  von Rating alle Unternehmensbereiche sowie das Umfeld analysiert und interpretiert; dynamisch, weil es Veränderungen (zum Beispiel den Produkt /Lebens-Zyklus sowie heutige und künftige Entwicklungen inklusive der Finanzplanung) in die Beurteilung mit einbezieht. Das unabhängige Rating ist eine zukunftsorientierte, standardisierte, objektivierte und jederzeit nachvollziehbare Beurteilung aller wichtigen Erfolgsfaktoren eines Unternehmens durch unabhängige und neutrale Rating-Analysten. Das unabhängige Unternehmens-Rating setzt dort an, wo bankinterne Ratings an grenzen stossen. Es ist wesentlich umfassender und enthält eine vertiefte Analyse der Erfolgs- und Risikofaktoren. Unternehmen können so den geforderten Verbesserungsprozess gezielt mit wirkungsvollen Massnahmen einleiten. Dieser Weg ist durch periodische Reratings messbar und damit steuerbar. Das externe Rating ergänzt das bankeninterne Rating sinnvoll. Die mit einer Finanzierung verbundenen Transaktionskosten für Kapitalgeber und Kapitalnehmer werden substanziell gesenkt. Eine externe, unabhängige Beurteilung baut zudem Informationsdefizite zwischen Geschäftspartnern ab, denn Bonität und Zukunftsfähigkeit werden in einer leicht verständlichen, international vergleichbaren Note zum Ausdruck gebracht.

Antwort auf vital wichtige Fragen

Dieser Rating-Prozess ist nicht nur für Grossunternehmen von Nutzen. Nein, besonders auch KMU finden Antworten auf wichtige Fragen wie:

-         Tun wir heute die richtigen Dinge für die Zukunft?

-         Wie zukunftsorientiert ist das Unternehmen aus heutiger Sicht?

-         Werden die Erfolgspotenziale des Unternehmens sinnvoll eingesetzt? Sind wir am Markt richtig positioniert?

-         Wie nachhaltig setzen wir Strategien um?

-         Wie schöpfen wir vorhandene Nutzenpotenziale und Chancen aus?

-         Wo und wie schaffen wir Werte? Wie werden wertorientierte Entscheidungen getroffen?

-         Wie ist der Umgang mit dem Risiko? Wie stellt sich das aktuelle Risikoprofil dar? (Das Risikoprofil verändert sich laufend.)

-         Wie ist die zukünftige Kapitaldienstfähigkeit des Unternehmens gesichert? Ist die langfristige Schuldentilgung gesichert? Welche Finanzstruktur ist dafür sinnvoll?

-         Wie plausibel sind Unternehmensplanung und anvisierte Unternehmensentwicklung?

Beim externen Rating wird das ganze Unternehmen in einen eigentlichen Verbesserungs- prozess integriert. Es entsteht ein „Lernprozess“, der alle Mitarbeitenden zu Verbesserungen motiviert.

Einer unabhängigen Rating-Agentur öffnen sich Unternehmer erfahrungsgemäss leichter: Die Informationen werden vertraulich behandelt; sie haben keine Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen dem Bewerter und dem Bewerteten. Anders verhält es sich bei bankeninternen Ratings; diese unterliegen bankenpolitischen Interessen und haben direkte Auswirkungen auf das Geschäftsverhältnis.

Kosten und Nutzen

Weitsichtige Unternehmer; Aufsichtsräte, Geschäftsführer und CFO’s/Controller verschaffen sich mit dem unabhängigen Rating eine ungeschminkte Beurteilung der Situation des Unternehmens sowie seiner zukunfts- und Leistungsfähigkeit. Überdies kann das Rating durch eine eigentliche Rating-Strategie proaktiv und gezielt verbessert werden.

Das unabhängige Rating rechnet sich. Dies wird auch durch Aussagen von Unternehmen bestätigt: der Nutzen des externen Rating überwiegt die Kosten in der Regel bei weitem. Im Vergleich mit den Risiken einer Verteuerung des Fremdkapitals sind die direkten Kosten des externen Rating unbedeutend.

Fazit

Die Diskussion um den Basel II Akkord sind noch nicht abgeschlossen. Der unabhängige Rating-Prozess setzt aber neue Massstäbe für die Nutzung praxisgerechter und einfacher Führungsinstrumente. Zukunftsorientierte Unternehmen werden die Chance ergreifen, sich heute schon in die Pole Position zu manövrieren.

 

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